Kontosperren-Report 2026
Über 1.000 Verdachtsmeldungen am Tag. So wird Ihr Konto gesperrt – und was Sie dagegen tun.
Banken und andere Verpflichtete haben 2025 genau 374.693 Verdachtsmeldungen an die Financial Intelligence Unit geschickt, 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Wir haben den neuen FIU-Jahresbericht ausgewertet und zeigen, was eine Meldung für Ihr Konto bedeutet, welche Fristen gelten und wie Sie handeln.
Von Anna O. Orlowa, LL.M., Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht · Stand: 1. November 2026
Die Zahlen 2025
Fast jede dritte Meldung kommt von digitalen Finanzdienstleistern.
Nach zwei Jahren Rückgang ist das Meldeaufkommen 2025 sprunghaft gestiegen. Allein Kreditinstitute haben 319.857 Meldungen erstattet, rund 49 Prozent mehr als 2024. In den Meldungen stecken etwa 3,2 Millionen Transaktionen.
Den größten Sprung machen digitale Finanzdienstleister, oft Neobanken genannt: 108.158 Meldungen, 29 Prozent aller Verdachtsfälle. Ein Jahr zuvor waren es 13 Prozent. Ihr Anteil hat sich damit mehr als verdoppelt.
Typische Meldegründe bei digitalen Anbietern sind laut FIU Betrug, Untreue und Auffälligkeiten mit Kryptowerten.
Verdachtsmeldungen bei der FIU, Gold: Anteil digitaler Finanzdienstleister
Quelle: FIU Jahresbericht 2025, Tabelle 1, S. 7. Etwa 16 Prozent der Meldungen sind Nachmeldungen zu bereits gemeldeten Fällen.
Vom Verdacht zur Anklage
Ein Verdacht ist kein Vorwurf. Die gemeldete Zahlung steht trotzdem sofort still.
Aus 374.693 Meldungen hat die FIU 2025 genau 67.024 Analyseberichte an Staatsanwaltschaften und andere Behörden abgegeben. Von 41.743 Rückmeldungen der Staatsanwaltschaften betrafen 1.669 ein Urteil, einen Strafbefehl, einen Beschluss oder eine Anklage. Rund 96 Prozent waren Einstellungen.
Die FIU betont, dass auch eingestellte Verfahren Ergebnisse liefern können. Für Sie als Kontoinhaber zählt etwas anderes: Ihr Geld kann in dieser Zeit blockiert sein. Genau hier setzen Fristen und Haftung an.
Größenordnungen 2025, Anzahl
Die Werte stammen aus demselben Bericht, bilden aber keinen geschlossenen Trichter: Ein Analysebericht kann mehrere Meldungen bündeln, Rückmeldungen betreffen auch Fälle früherer Jahre. Quelle: FIU Jahresbericht 2025, S. 7, 8 und 30.
Der Ablauf
Vier Stufen, zwei Fristen. So läuft eine Sperre wegen Geldwäscheverdachts.
- Tag 0
Bank meldet
Fällt eine Zahlung auf, erstattet die Bank eine Verdachtsmeldung an die FIU. Sagen darf sie Ihnen das nicht (§ 47 GwG).
- Bis Werktag 3
Stillhaltefrist
Die gemeldete Zahlung bleibt liegen, bis FIU oder Staatsanwaltschaft zustimmen oder der dritte Werktag ohne Untersagung verstrichen ist. Samstag zählt nicht (§ 46 GwG).
- Bis zu 1 Monat
Sofortmaßnahme
Die FIU kann die Zahlung oder Verfügungen über das Konto untersagen, längstens einen Monat. 2025 geschah das 106-mal (§ 40 GwG).
- Danach
Freigabe oder Arrest
Ohne Sicherung durch die Staatsanwaltschaft muss die Bank grundsätzlich wieder verfügen lassen. Prüft sie weiter, braucht sie dafür einen Grund.
Fristenrechner
Geben Sie den Tag ein, an dem Ihre Bank die Zahlung angehalten hat. Der Rechner zeigt, wann die gesetzlichen Höchstfristen ablaufen, wenn an diesem Tag gemeldet wurde.
Gerechnet ab dem eingegebenen Tag, Feiertage sind nicht berücksichtigt. Die Monatsfrist des § 40 GwG läuft ab der Anordnung der FIU, die auch später liegen kann. Ob und wann Ihre Bank gemeldet hat, erfahren Sie wegen § 47 GwG in der Regel nicht. Sperrt die Bank aus vertraglichen Gründen, gelten andere Regeln. Der Rechner ersetzt keine Prüfung.
Was die Gerichte sagen
Die Bank darf prüfen. Sie darf Sie aber nicht ohne Grund festhalten.
Ab Juli 2027
Ab Juli 2027 prüfen alle Banken in der EU nach denselben Regeln. Ordnen Sie Ihre Unterlagen jetzt.
Ab dem 10. Juli 2027 gilt die EU-Geldwäscheverordnung (EU) 2024/1624 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Banken prüfen Mittelherkunft und wirtschaftlich Berechtigte dann nach einheitlichen europäischen Vorgaben. Die meisten Banken beaufsichtigt weiter die BaFin; die neue EU-Behörde AMLA in Frankfurt am Main übernimmt ab 2028 rund 40 ausgewählte Institute direkt. Wer Herkunft und Struktur seines Vermögens heute sauber dokumentiert, nimmt der Bank einen häufigen Anlass für Rückfragen und Sperren. Was sich konkret ändert
Konto gesperrt?
Die ersten drei Werktage zählen.
Die Stillhaltefrist ist kurz. Wer in dieser Zeit Unterlagen ordnet und der Bank schriftlich eine Frist setzt, verbessert in der Regel seine Ausgangslage.
Belege sammeln
Herkunft des Geldes: Kaufvertrag, Kontoauszüge, Steuerbescheid, Erbschein, Krypto-Historie. Lückenlos und datiert.
Konto-Check: Was darf die Bank?Schriftlich nachfragen
Fragen Sie die Bank schriftlich nach Art und Dauer der Sperre und setzen Sie eine datierte Frist. Kein Anruf, kein Wortprotokoll, das Sie nicht kennen.
Konto gesperrt: Ihre RechteErstprüfung beauftragen
Binnen 24 Stunden erhalten Sie Vergütungsvereinbarung mit Obergrenze und Rechnung per E-Mail. Nach Zahlung und Unterlagen folgt das Ergebnis schriftlich binnen 24 Stunden, Mo–Fr.
Fall schriftlich schildern
Verbindlich erst mit Ihrer Unterschrift unter die Vergütungsvereinbarung.
Häufige Fragen
Fragen zur Kontosperre
Darf mir die Bank sagen, warum mein Konto gesperrt ist?
In der Regel nicht. Hat die Bank eine Verdachtsmeldung erstattet, verbietet ihr § 47 GwG, Sie darüber zu informieren. Schweigen am Schalter ist deshalb kein Beweis für Willkür, aber auch kein Freibrief: Für eine Sperre ohne Kündigung und ohne Grund kann die Bank haften.
Wie lange darf die Bank eine Überweisung nach einer Verdachtsmeldung anhalten?
Nach § 46 GwG darf die gemeldete Transaktion frühestens ausgeführt werden, wenn die FIU oder die Staatsanwaltschaft zustimmt oder der dritte Werktag nach Abgang der Meldung ohne Untersagung verstrichen ist. Der Samstag zählt dabei nicht als Werktag. Ordnet die FIU eine Sofortmaßnahme nach § 40 GwG an, endet sie spätestens nach einem Monat.
Was ist der Unterschied zwischen Sperre und Kündigung?
Eine Sperre hält das Konto an, der Vertrag läuft weiter. Eine Kündigung beendet den Vertrag; bei Privatkunden muss die Bank bei einer ordentlichen Kündigung in der Regel zwei Monate Frist einhalten, beim Basiskonto nur aus den Gründen des § 42 ZKG kündigen. Für beides gelten eigene Regeln, und beides lässt sich prüfen.
Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ein Ermittlungsverfahren läuft?
Das hängt davon ab, ob die Staatsanwaltschaft Vermögen sichert, etwa durch einen Vermögensarrest. Ohne solche Maßnahme muss die Bank nach Ablauf der Fristen grundsätzlich wieder verfügen lassen. Laut FIU waren 2025 rund 96 Prozent der Rückmeldungen der Staatsanwaltschaften Einstellungen.
Wie läuft die Erstprüfung ab?
Binnen 24 Stunden erhalten Sie Vergütungsvereinbarung mit Obergrenze und Rechnung per E-Mail. Nach Zahlung und Eingang Ihrer Unterlagen folgt das Ergebnis schriftlich binnen 24 Stunden, Montag bis Freitag.
Quellen
So haben wir gearbeitet.
Alle Zahlen stammen aus dem Jahresbericht 2025 der Financial Intelligence Unit, erschienen am 21.07.2026, und aus deren Pressemitteilung zum Vorjahr. Eigene Rechnungen sind gekennzeichnet. Urteile verlinken wir auf Berichte von Fachverlagen.
- FIU Jahresbericht 2025 (Zoll), erschienen 21.07.2026
- FIU: Pressemitteilung zum Jahresbericht 2024 (10.06.2025)
- § 40 GwG – Sofortmaßnahmen
- § 46 GwG – Durchführung von Transaktionen
- § 47 GwG – Verbot der Informationsweitergabe
- § 42 ZKG – Kündigung des Basiskontos
- BGH, Urteil vom 26.03.2026 – I ZR 66/25 (Bericht Otto Schmidt)
- BGH, Urteil vom 15.10.2024 – XI ZR 50/23 (Bericht RWS Verlag)
- OLG Frankfurt, Urteil vom 25.02.2025 – 10 U 18/24 (beck-aktuell)
- LG Frankfurt, Beschluss vom 22.01.2024 – 2-01 T 26/23 (anwaltonline)
- EU-Geldwäscheverordnung (EU) 2024/1624 (EUR-Lex)
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